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vollbeladen und voll besetzt

Ich will ja nicht langweilen. Aber: Es regnet. Das ist nicht nur eine Tatsache. Das nervt. Wir wehren uns und kehren Kamakura den Rücken. In Tokyo wollen wir uns noch ein wenig umsehen und deshalb geht es per Bahn in den Ortsteil Shinjuku. Der Bahnhof dort ist groß. Also, will sagen, es laufen dort viele Menschen herum. So circa ungefähr geschätzte 5 Millionen pro Tag. Das sagt die Statistik der Japan Rail, und die arbeitet genau, wie wir schon mehrfach feststellen konnten. Im Berufsverkehr eilen hier 500 Menschen pro Sekunde entlang. Das ist so, als ob man Gera in 3 Minuten und 20 Sekunden komplett evakuieren würde. Ich schlage vor, das nicht als Versuch für Wetten-Dass anzumelden.
Unser Gepäck verstauen wir im Schließfach. Die Bananen in René Z.s Tasche reagieren darauf etwas weichlich. Aber das werden wir erst später erfahren.

Vorerst schlendern wir durch verschiedenste Läden, erfüllen unsere Wünsche und genannte und ungenannte Wünsche unserer Lieben. Wir staunen über das leckere chinesische Essen (vom Araber serviert, mit japanischen Yen bezahlt, vom Deutschen gegessen), die noblen Gummistiefel, die pinken Spielsachen, freuen uns über die sechsspurige Carrerarennbahn (auf René Z. und ich die Reifen qualmen lassen), lächeln die Mädels und Jungs an, die Waren anpreisen und stehen den Einkäufern im Weg herum.





Höhepunkt ist der Besuch bei Yodobashi. Was? Kennt ihr nicht? Der Himmel auf Erden für Männer. Ein Mekka für Elektronikfetischisten. Der Alptraum aller Ehefrauen. Die größte Geldsenke aller Zeiten. Das Haus der Wichtigkeiten (und der beheizten Klodeckel). Der Tempel der Kommunikationstechnologie. Der Palast der Schaltkreise. Die Kathedrale der Objektivaltäre. Der Ort, an dem sich Männer sogar für Staubsauger interessieren, weil diese den zu saugenden Raum von alleine säubern.
ALLES KLAR?


Es wird Abend. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft wird uns bewusst: Wir sind nicht allein. Auch andere wollen Richtung Shinjuku. Lässig stehen wir im Zug zwischen Damen, die sich Augenwimpern ankleben, Herren, die ihr Handy traktieren, und Schülern, die ihre Playstation zum Qualmen bringen. Umfallen unmöglich. Unsere Rucksäcke sind im Weg. Manche Eisenbahnwagen haben keine Sitzbänke, damit mehr Fahrgäste drinnen stehen können. Und wir wollen unsere Koffer holen, um damit wieder in einen solchen Zug zu steigen. Wie zum Teufel sollen in einen solch vollen Zug auch noch Koffer passen? Irgendwie klappt es, weil wir an drei veschiedenen Stellen in den Zug steigen und so wenigstens nicht an einer Stelle den Weg völlig blockieren. Samt Koffern werden wir an der richtigen Station irgendwie wieder auf den Bahnsteig geschwemmt. Das Katsutaro Ryokan ist schnell gefunden, wir fallen noch schnell in den Laden gegenüber ein und das war's.

2 Kommentare:

vio hat gesagt…

Mein lieber Hans, was hast du dir denn gekauft?
Das war aber so nicht abgemacht.
Diesmal war ich dran. Nun gut, ich werde also gleich mal nach sehen was aus dem Arbeitszimmer in den Müll kann oder sich zu Geld machen läßt.

Hans hat gesagt…

Meine liebe Vio,
ich kaufe doch nur Bio,
und manchmal etwas Foto
aber leere nicht das Ko(n)to.

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